Posts mit dem Label Anne Roth werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Anne Roth werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Männer verlinken Männer

"Anne Roth ärgern solche Rankings. Zumindest ein ganz kleines bisschen. "Mein nicht totzukriegender feministischer Impuls bemerkte als erstes, dass die bekannten deutschen Blogger alles Männer sind", schreibt die Berliner Bloggerin. Tatsächlich macht Roth mit dem Blog Mondgras die erste Frau erst auf Platz 35 in den Blogcharts aus. Inzwischen liegt dieses Blog noch weiter hinten. "Ich gebe zu, das hat mich erschüttert", sagt sie.

Roth selber gehört zu den bekanntesten Bloggerinnen in Deutschland. Auf dem Berliner Bloggertreffen re:publica im Frühjahr dieses Jahres hat sie ein Diskussionsforum geleitet. Thema: Warum Frauen im Netz nicht so sichtbar sind. "Der Mikrokosmos der Blogs ist zu einem nicht geringen Teil ein Perpetuum Mobile", sagt sie. Er reproduziere sich selbst. "Bemerkt wird, was andere bemerken, also verlinken. Je mehr Links, desto bedeutsamer." Roths These: Männer schafften es mehr als Frauen, verlinkt zu werden. Mehr noch: Sie verlinken sich öfter untereinander.

Mädchenmannschaft bloggt über Sarrazi
n

Sind Männer bessere Netzwerker? Vielleicht. Denn an bloggenden Frauen mangelt es nicht. Beispiel: Das Blog Mädchenmannschaft(Externer Link - Öffnet in neuem Fenster) . Hier notiert ein Team aus zwölf Frauen "Dinge und Nachrichten, die fröhlich machen oder uns die Nackenhaare aufstellen." Wie zum Beispiel Thilo Sarrazin. Über ihn schreibt die 1985 in Hoyerswerda geborene Journalistin Nadine Lantzsch: "Es gibt 100 Gründe Sarrazin als das abzustempeln, was er ist: ein rassistisches Arschloch, das Volksverhetzung mit massenmedialer Unterstützung kultiviert." Das sitzt.


Lantzsch straft alle Klischees Lügen, nach denen Frauen immer nur über Klatsch, Kochrezepte und Mode bloggen. Denn es gibt zwar Frauen, die über Paris Hiltons neuen Nagellack schreiben. Das machen aber inzwischen längst auch Männer. So berichtet der Dresdner Martin Boose auf seiner Seite Promicabana von einer angeblichen Party der Teenie-Schauspielerinnen Miley Cyrus und Ashley Greene in einem Pariser Nachtclub.

Frauen schreiben für kleine Zielgruppen


"Es gibt ebenso weibliche Blogger, die über Netzpolitik bloggen wie auch männliche Blogger, die über Mode bloggen", sagt Markus Beckedahl von Netzpolitik. Jeder schreibe eben über Themen, die ihm Spaß machten. "Männer sind oft mehr an Selbstdarstellung interessiert, was auch immer gut in Blogs funktioniert", sagt er. "Frauen nutzen laut Blog-Forschern oft gerne Blogs zur interpersonellen Kommunikation. Damit sprechen sie dann eine kleinere Zielgruppe an und erscheinen nicht so groß in der Öffentlichkeit."


Dabei ist dem Blog Mädchenmannschaft der Sprung in die große Öffentlichkeit 2009 gelungen. Im vergangenen Jahr war es für den renommierten Grimme Online Award nominiert. Woran liegt es also, dass Spreeblick, Netzpolitik oder Bildblog immer noch die bekanntesten und erfolgreichsten Blogs sind? "Wahrscheinlich daran, dass alle drei Blogs konstant und mit viel Enthusiasmus seit vielen Jahren betrieben werden", sagt Beckedahl. Dadurch hätten sie sich eine Reputation und Netzwerke aufgebaut. "Um das zu schaffen, muss man aber kein Mann sein."

der ganze Artikel unter
http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/23/0,3672,8108599,00.html

Mittwoch, 18. August 2010

Wie im echten Leben Die meisten Blogs im Netz stammen von Frauen. Doch wenn sie gehört werden wollen, gelten sie als karrieregeil. Artikel aus der TAZ vom 17.08

VON KATRIN STROHMAIER

Das feministische Blog "Mädchenmannschaft" befasst sich u.a. mit der Frage, warum Frauen im Netz scheinbar weniger präsent sind als Männer. Foto: screenshot

Im Netz hätte alles anders werden können: Mehr Gleichbehandlung, eine Loslösung von alten Geschlechterrollen. Doch das Internet ist ein von Männern dominiertes Medium, wie eine aktuelle Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen nahelegt: In Deutschland sind 79 Prozent der Männer und nur 65 Prozent der Frauen online. In den "deutschen Blogcharts" befinden sich die wenigen Bloggerinnen, die eine eigene Seite betreiben, auf den hinteren Rängen.

In den Charts landen die Blogs vorn, die am häufigsten verlinkt werden. Das Internet scheint eine aus feministischer Sicht ohnehin schon enttäuschende, männlich dominierte Realität abzubilden. Ende des vergangenen Jahres heizte die deutsche Soziologin und Bloggerin Anne Roth die Debatte um das Geschlechterverhältnis in der Blogosphäre an: Sie stellte fest, dass mit "Mondgras" das erste Blog, das von einer Frau betrieben wird, auf Platz 35 der eben erwähnten Charts auftauchte, zurzeit ist es Platz 46.
Anzeige

Vor allem aber lässt sich Betreiberin Sarah Kroschel auf ihrer Seite vorwiegend über ihre Kaninchen oder über Freud und Leid bestimmter Maßnahmen zur Gewichtsregulierung aus. Ein Beispiel dafür, was FeministInnen und SozialwissenschaftlerInnen weiblichen Bloggern attestieren: Frauen schreiben demnach seltener als männliche Nutzer für breite Öffentlichkeiten "relevante" Themen wie Politik, Wirtschaft, Technik oder Medien.

Eine Studie der Ruhruniversität Bochum zeigt, dass 75,9 Prozent der Blogs, die Frauen schreiben, reine Tagebuchblogs sind. Bei den Männern sind es dagegen nur 37,1 Prozent. Zu diesem Schluss kommt auch der empirische Kulturwissenschaftler Klaus Schönberger in seiner Untersuchung "Doing Gender, kulturelles Kapital und Praktiken des Bloggens": "Frauen fühlen sich seltener ermächtigt, öffentlich zu sprechen", sagt er. "Das ist das Ergebnis jahrelanger kultureller Prägung." Er nennt das den "langen Arm des Real Life": Tatsachen von außerhalb des Netzes reproduzieren sich auch dort.

Weiterlesen unter
http://www.taz.de/1/netz/netzkultur/artikel/1/wie-im-echten-leben/